Agenturmeldungen der KNA

Wenn Kirchen brennen

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Johannes Schießl
Anschläge auf Christen in Nigeria fordern zur Verteidigung der Religionsfreiheit auf

Was wissen wir schon von Nigeria? Wenig. Und was gehen uns Konflikte in Westafrika an? Mehr als wir meinen. Das Land am Niger-Delta ist dreimal so groß wie die Bundesrepublik, mit rund 155 Millionen Einwohnern ist es der bevölkerungsreichste Staat Afrikas. Der Norden ist muslimisch geprägt, der Süden christlich, 15 Prozent sind Katholiken. So weit die Zahlen.

Ein grelles Licht auf das Land werfen nun die grausamen Atten-tate auf öffentliche Einrichtungen in der zweitgrößten Stadt Kano. Mindestens 180 Menschen sind
dabei ums Leben gekommen. Wie schon an Weihnachten gab es auch wieder Anschläge auf Kirchen. Dahinter steckt die islamistische Terrorgruppe »Boko Haram«, was so viel heißt wie: »Westliche Bildung ist Sünde«. Ihr Ziel ist die Errichtung eines so genannten Gottesstaats mit dem Strafrecht der Scharia. An die 1.000 Tote in den letzten beiden Jahren liegen auf dem Gewissen von »Boko Haram«, Experten sehen bereits Parallelen zur Terrorgruppe Al Qaida.

Daraus könne eine »Bedrohung für den Weltfrieden« erwachsen, so Erzbischof Robert Zollitsch, der Nigeria 2009 besucht hat. Schon zum Jahreswechsel erklärte der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz: »Die feigen Attacken auf Gotteshäuser sind für mich unvorstellbare und von blindem Hass gesteuerte Taten.« Die deutschen Bischöfe fordern nun gemeinsam mit ihren nigerianischen Amtsbrüdern einen »konstruktiven Dialog« von Christen und Muslimen. Allerdings dürfe man die Konflikte nicht vorschnell auf Religion reduzieren.

70 Prozent der Nigerianer leben unter der Armutsgrenze. In dem von Korruption geschüttelten Land geht es auch um die gerechte Verteilung von Land und Öl, was die Ausschreitungen nach der Streichung von Benzin-Subventionen zeigen. Die Demokratie in der ehemaligen britischen Kolonie ist noch jung, lang hatte das Militär das Heft in der Hand. Der gewählte Präsident Jonathan Goodluck, ein Christ aus dem Süden, will zwar gegen die »Feinde der Demokratie« vorgehen, doch sein Arm scheint nicht stark genug. Die restliche Welt kann helfen, indem sie betont, dass religiöse Toleranz Voraussetzung für Frieden in einem Vielvölkerstaat ist. Und indem sie Projekte fördert, die soziale Konflikte entschärfen und Bildung voranbringen.

Leider ist Nigeria kein Einzelfall. Weltweit sollen 100 Millionen Christen wegen ihrer Religion leiden – eine schreckliche, aber auch schwer zu überprüfende Zahl. Eine Pauschal-Verurteilung des Islam hilft da nicht weiter, sie befördert höchstens den »clash of civilizations«. Die heutige Aufgabe von Christen ist die Verteidigung der Religionsfreiheit. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Stärke. Schließlich hat das Christentum seine eigene Gewaltgeschichte von den Kreuzzügen bis zur Eroberung Lateinamerikas – Gott sei Dank – überwunden.

Johannes Schießl

Johannes Schießl
(47) ist Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung



Bayern spart

Horst Seehofers Sparziel ist ehrgeizig: Bis 2030 soll Bayern schul-denfrei sein. Da sich die Verbindlichkeiten des Freistaats auf mindestens 22 Milliarden Euro belaufen, müsste pro Jahr mehr als ei-ne Milliarde abgetragen werden. Das hört sich gut an in einer Zeit, in der die Staatsverschuldung als zentrale Ursache der Finanzkrise ausgemacht ist, und die Wirtschaft trotz allem boomt. Doch ist Bayern nicht Italien oder Griechenland, das heißt seine Schuldenlast hält sich in Grenzen. Zudem dräut eine Eintrübung der Konjunktur. Sicher, Schulden belasten künftige Generationen, aber nicht getätigte Investitionen tun das auch. Das Sparpaket über den Länderfinanzausgleich zu stemmen, ist wohl kaum durchzusetzen.

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Iran baut

Die EU-Außenminister haben als Antwort auf Irans Nuklearprogramm ein Ölembargo gegen Teheran verhängt. Allerdings nicht mit sofortiger Wirkung, laufende Verträge dürfen noch bis Juli abgewickelt werden, Geschäft ist schließlich Geschäft. Wie auch immer: Große Zweifel sind angebracht, ob diese Sanktionen das iranische Regime um Präsident Mahmud Ahmadinedschad wirklich zum Einlenken zwingen. Und welche Druckmittel hat der Westen darüberhinaus noch in der Hand? Was könnte passieren, wenn das Embargo nicht wirkt und Teheran weiter seine Atombombe bastelt? Eine friedliche Lösung scheint in diesem Fall in weite Ferne gerückt zu sein.

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Patient prüft

Ist einem die Gesundheit wert und teuer, ist das grundsätzlich gut. Nur ab und zu kann man beim Arzt vermuten, dass die Betonung eher auf dem »teuer« liegt. Vor allem, wenn es um »individuelle Gesundheitsleistungen« (kurz »Igel«) geht, also ärztliche Leistungen, die gesetzliche Kassen nicht tragen – zum Beispiel manche Präventiv-Maßnahmen, Untersuchungen oder Kuren. Damit Patienten den Nutzen solcher Angebote prüfen können, stellt der medizinische Dienst des Spitzenverbands der Krankenkassen nun im Internet seinen »Igel-Monitor« zu Verfügung. Keine schlechte Idee, denn verantwortungsvolles Handeln beginnt ebenso mit detaillierter Info wie verantwortungsvolles Bleibenlassen.

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