Ein starkes Stück Kirche

Teilnehmer aus dem Erzbistum
Ministranten aus dem Erzbistum in Rom
Punkt 15 Uhr in Rom: Tausende Jugendliche laufen johlend aufeinander zu und bespritzen sich gegenseitig mit Wasser aus Trinkflaschen und Brunnen. Die erstaunten Römer konnten an diesem heißen Augusttag Zeuge einer freien Interpretation des Mottos »Aus der wahren Quelle trinken« werden, unter dem die fünftägige internationale Ministranten-Wallfahrt 2010 stand. Denn die 3.500 Teilnehmer aus dem Erzbistum waren beim diözesanen Mittagsgebet in der Lateranbasilika aufgerufen worden, genau um diese Uhrzeit ihren Nachbarn zu erfrischen und so einen »Flashmob« zu bilden, eine spontane Massenaktion.

Zwei Tage zuvor waren die Buben und Mädchen aus dem Erzbistum nach Aussendungsgottesdiensten in den Pfarreien in 56 Bussen nach Rom gestartet. Die St.-Jakobus-Pilgerstiftung der Erzdiözese unterstützte die Fahrt mit 30.000 Euro. Durchgeführt wurde sie zusammen mit dem Bayerischen Pilgerbüro.

Das Mittagsgebet mit Diözesanjugendpfarrer Klaus Hofstetter und das anschließende Picknick mit Flashmob waren das erste diözesane Zusammentreffen. Schließlich sei es auch Ziel der Wallfahrt gewesen, ein pfarreiübergreifendes Kennenlernen und Vernetzen zu fördern, so Ministrantenreferent Markus Grimm, der Verantwortliche für die Organisation der Wallfahrt im Erzbistum.

Und dafür war ausreichend Gelegenheit, wie zum Beispiel im Bus 23 mit rund 50 Ministranten aus dem Dekanat Nymphenburg und der Pfarrei Allerheiligen: Ob beim spontanen spirituellen Impuls an der Bushaltestelle mit Busleiter Luigi, beim Vordrängeln in der Warteschlange vor den Vatikanischen Museen, beim Flirten mit Hotel-Kellner Giovanni oder beim »Wiesn-Hit-Singen« abends auf der Spanischen Treppe – da haben sich die Minis ganz gleich aus welcher Pfarrei verstanden. Und so war es auch selbstverständlich, dass Mona, die sich in den Vatikanischen Museen den Fuß gezerrt hat, zur Papstaudienz auf den Petersplatz getragen wurde. Oder man hat Quirin gratuliert,
der es auf dem Petersplatz als einer der wenigen geschafft hat, ein andersfarbiges Pilgertuch zu ergattern – ein gelbes österreichisches, immerhin! Denn das traditionelle Tauschen der Ländertücher ist nicht so einfach, wenn von 53.000 Ministranten 45.000 aus Deutschland kommen und somit genau das gleiche vanillefarbene Tuch haben. Die schwarzen Kappen mit dem Korbiniansbären, das Erkennungszeichen der Minis aus dem Erzbistum, waren hingegen ein begehrtes Tauschobjekt.

Auf die Buben und Mädchen aus der Pfarrei Allerheiligen wartete noch ein ganz spezieller Programmpunkt: Sie hatten beim diözesanen Preisausschreiben mitgemacht und als eine von vier Gruppen eine Führung durch die Räume von Radio Vatikan gewonnen. Dort konnten sie die Studios und verschiedenen Länderbüros besichtigen und erfuhren zum Beispiel, wie eine Sendung aufgebaut ist. »Toll, in wie vielen Sprachen die hier Radio machen«, waren die Jugendlichen begeistert, »und die Aussicht von der Terrasse ist auch nicht schlecht!« Andere Gruppen hatten zum Beispiel ein Treffen mit Benediktiner-Abtprimas Notker Wolf gewonnen.

Beim Abschlussgottesdienst in der Basilika St. Paul vor den Mauern kamen die Ministranten aus dem Erzbistum noch ein letztes Mal zusammen. Erzbischof Reinhard Marx dankte ihnen für ihren Dienst »gerade in dieser schweren Zeit«, in der in der Kirche vieles geschehe, das nicht »in Ordnung sei«. Genau wie Jesus Judas immer mit dabei gehabt habe, könne niemand eine Kirche ohne Judas versprechen, »das ändert aber nichts an Jesu Freundschaft zu uns.« Die Ministranten würden diese Freundschaft zu Jesus auf eine ganz besondere Weise leben: »Ihr seid wirklich ein starkes Stück Kirche.« 

Karin Basso-Ricci