Eine, die die Natur liebt

Schwester Josefa Thusbaß
Schwester Josefa Thusbaß
Das neue Schuljahr beginnt an der Schlehdorfer Mädchenrealschule (Dekanat Werdenfels) mit einer einschneidenden Veränderung: Die katholische Schule muss erstmals ohne Ordens-Lehrkräfte auskommen. Die letzten drei Missions-Dominikanerinnen, die dort unterrichteten, sind in den Ruhestand gegangen. Eine von ihnen ist Schwester Josefa Thusbaß. 32 Jahre wirkte die 65-Jährige an der Schule, 21 davon als Rektorin.

Die Missions-Dominikanerinnen hatte die Bauerntochter aus Amerang 1966 auf dem Petersberg kennengelernt. Ein Jahr später trat sie in die Ordensgemeinschaft ein – eigentlich, um in die Mission zu gehen. Doch in Schlehdorf wurde sie als Lehrerin gebraucht. Also ließ sie der Orden mit Anfang 20 zunächst die Mittlere Reife, dann das Abitur machen und studieren: Mathematik und Physik auf Lehramt. Hätte sie selbst wählen können, hätte sie sich Chemie und Biologie ausgesucht, erzählt die ergraute Ordensfrau mit dem jung gebliebenen Gesicht, denn: »Das war immer schon meine Leidenschaft.«

Die Namen der Tiere und Pflanzen rund um den elterlichen Hof hatte bereits der Vater ihr und ihren drei älteren Geschwistern beigebracht. Doch Schwester Josefa gewöhnte es sich an, »das zu nehmen, was kommt, und dabei glücklich zu werden«. Dennoch freute es sie, dass sie ihr Wissen über die Natur wegen Lehrermangels auch im Fach Biologie weitergeben konnte.

Wann immer möglich, versuchte Schwester Josefa, in den Schülerinnen die Liebe zur Schöpfung zu wecken, »weil es das Leben auf dieser Erde braucht, dass man achtsam damit umgeht«. Energiesparwettbewerbe, Nistkästen für Vögel und ein Seelabor, mit dem die Mädchen Messungen und Beobachtungen durchführen können, sind nur einige Beispiele dafür.

An erster Stelle freilich standen für Schwester Josefa der schulische Erfolg und die Persönlichkeitsentwicklung jeder Schülerin. Stolz berichtet sie, dass die Durchfall-Quote an der
Schlehdorfer Mädchenrealschule unter einem Prozent liege und die Absolventinnen von Arbeitgebern bevorzugt eingestellt würden. Als Glanzpunkte ihres Berufsalltags nennt Schwester Josefa daher auch jene Momente, in denen die Augen einer Schülerin zu strahlen begannen, weil sie etwas verstanden habe, und sie gestaunt habe: »Was, so einfach ist das?« Erst an zweiter Stelle fallen der frisch pensionierten Rektorin verschiedene Baumaßnahmen ein, bei denen sie sich selbst um die Details kümmerte.

Eines ihrer Hobbys verbindet ihre Begeisterung für Natur und Technik: Schwester Josefa fotografiert gern. Bis 18. September sind einige ihrer Bilder in Benediktbeuern ausgestellt. Jetzt im Ruhestand will sie ihrer Weltoffenheit aber noch auf andere Weise Ausdruck verleihen: Sie möchte einen neuen Erdteil kennen lernen und nach Südafrika gehen, wo ihre Ordensgemeinschaft den Hauptsitz hat. Dadurch hofft Schwester Josefa auch Abstand von ihrem Berufsleben zu gewinnen, sie ist nämlich überzeugt: »Man nimmt alles viel zu absolut, was man tut.«

Karin Hammermaier

Die Foto-Schau im Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern ist bis Samstag, 18. September, täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen.