Klaus Töpfer beim Renovabis-KongressDie Ölkastastrophe im Golf von Mexiko, das August-Hochwasser in Ostdeutschland, Tschechien, Polen und Ungarn, die Überschwemmungen in Pakistan, die Erdrutsche im Nordwesten Chinas, die Wald- und Moorbrände in Russland: All diese Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate hätten gezeigt, wie aktuell das Thema des 14. Renovabis-Kongresses sei, sagte der Freisinger Oberbürgermeister Dieter Thalhammer zum Auftakt der dreitägigen Veranstaltung auf dem Domberg. Die Tagung mit rund 360 Teilnehmern aus Kirchen und Umweltorganisationen stand unter dem Motto »In Verantwortung für die Schöpfung – Ökologische Herausforderungen in Mittel- und Osteuropa«.
Die Welt als Schöpfung zu verstehen, meine, sie als Gottes Werk
zu begreifen, sagt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick: »Wer den Schöpfer ehrt, hat Ehrfurcht vor seinem Werk und trägt Verantwortung dafür, dass es erhalten und bewahrt wird.« Wichtigstes Ziel der Schöpfungsbewahrung sei der Schutz jedes menschlichen Lebens. Die Verantwortung für die Schöpfung umfasse deshalb auch ein Nein zu Abtreibung und Euthanasie, führte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der deutschen Bischofskonferenz aus.
Kardinal Peter Turkson, der Präsident des päpstlichen Rats für Gerechtigkeit und Frieden, ging näher auf den Charakter dieser Verantwortung ein. Sie beziehe sich einerseits auf andere Menschen, die zeitgleich auf der Erde lebten. Zum anderen schließe sie aber auch die künftigen Generationen ein.
Renovabis-Geschäftsführer Gerhard Albert wies ebenso wie Schick darauf hin, dass die Natur in den Ländern Mittel- und Osteuropas während der Zeit des Kommunismus rücksichtslos ausgebeutet worden sei. Schwester Maria Christina Färber, eine in Albanien wirkende deutsche Ordensfrau, berichtete dagegen, dass ein Strand dort vor zehn Jahren noch »blitzsauber« gewesen sei, heute dagegen – wie das übrige Land – völlig vermüllt. Denn die Albaner hätten zwar das westliche Konsumverhalten übernommen, jedoch nicht die Abfallentsorgung. »Aber Konsum ohne Entsorgung gibt die Katastrophe«, sagte Schwester Maria Christina.
Kardinal Turkson gab zu bedenken, dass sich der moderne Mensch niemandem für sein Verhalten verantwortlich fühle. Wie das Chaos durch Gottes Wort in den Kosmos transformiert worden sei, so werde sich der Kosmos ohne einen Gottesbezug in Chaos zurückverwandeln.
Ladislav Nemet, Bischof des serbischen Zrenjanin, wandte ein, dass die Umweltzerstörung nicht nur eine Frage des Bewusstseins, sondern auch eine finanzielle Frage sei. Jeder postkommunistische Staat sei geldhungrig. Deshalb werde jede Regierung alles für neues Kapital geben. Auch das Problem der Korruption klang in Zusammenhang mit Goldabbau in Rumänien an.
Doch Bischof Nemet gab auch zahlreiche Beispiele kirchlichen Umweltengagements im Donauraum: So beteiligten sich heuer mehr als 5.000 junge Österreicher an dem Projekt »72 Stunden ohne Kompromiss« und machten sich drei Tage stark für soziale, entwicklungspolitische oder ökologische Belange. Bischof Nemet selbst lässt in seiner Diözese jeden Firmling einen Baum pflanzen. Diese Symbol-Handlung stand auch am Ende des diesjährigen Renovabis-Kongresses. Durchgeführt wurde sie unter anderem von Felix Finkbeiner (12), dem Gründer der internationalen Schüler-Initiative »Plant-for-the-Planet«.
Karin Hammermaier