Hilfe für Schüler

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Robert Bögle
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Robert Bögle
MK: Seit nunmehr 40 Jahren berät die »PIB« Schüler, Lehrer und Eltern. Wie hat sich die Arbeit in dieser Zeit verändert?

Bögle:
So wie sich die Lebensverhältnisse der Kinder und Jugendlichen sowie das Schulsystem verändert haben. Heute sind die Kinder länger in der Schule als früher. Zudem sehen Eltern in der Bildung einen ganz wichtigen Faktor der Entwicklung. Auch weil Kinder in kleineren Familien mit weniger Ge-schwistern aufwachsen. Und mehr Kinder haben Migrationshintergrund. Die eigentliche Beratung hat sich nicht so stark verändert, es geht weiter um Probleme mit dem Erwachsen-Werden. Jugendliche haben immer noch Ärger mit ihren Eltern und wollen sich von ihnen ablösen.

MK: Mit welchen Problemen kommen die Schüler zu Ihnen?

Bögle: Sie kommen einerseits mit Schul-Problemen, das kann sich auf Noten beziehen oder auf soziale Probleme in der Klasse wie etwa Mobbing. Sie kommen andererseits auch mit Familien-Problemen, so die Trennung der Eltern oder neue Familien-Konstellationen. Der dritte Bereich sind Probleme in der Freizeit, etwa mit Freunden. Schwerere Probleme wie Ess-Störungen oder Sucht-Verhalten sind bei uns seltener und werden weiterverwiesen.

MK: Wie können Sie helfen?

Bögle: Wir sprechen mit den Kindern oder mit der ganzen Familie. Vieles geht spielerisch, aber wir üben auch mit ihnen. Reden allein reicht nicht. Dazu kommt als Methode die Gruppenarbeit, die es den jungen Leuten ermöglicht, auch voneinander zu lernen.

MK: Die Welt der Jugendlichen ist immer stärker von Medien geprägt, die Spannen der Aufmerksamkeit werden kürzer. Andererseits scheint der Leistungsdruck in der Schule zu steigen. Wie ist dem zu begegnen?

Bögle: Das fordert vor allem die Lehrer heraus. Schüler sind aus ihrem Medien-Konsum schnelle Wechsel gewöhnt, eine normale Schulstunde kann da leicht als langweilig erscheinen. Man kann das nur bedingt durch abwechslungsreichen Unterricht und Projekte wie Theaterspielen auffangen. In der Beratung üben wir mit den Kindern, auch über längere Zeiten konzentriert zu bleiben. Aber man darf es nicht nur pessimistisch sehen: Jugendliche sind mit der digitalen Welt aufgewachsen und können meist auch besser mit ihr umgehen.

MK:
Die »PIB« ist ein ökumenischen Projekt und wird gemeinsam vom Erzbistum und der evangelischen Landeskirche getragen. Hat das Miteinander immer reibungslos funktioniert?

Bögle:
Es ist doch ein hoffnungsvolles Zeichen, dass Ökumene hier nicht nur punktuell, sondern dauerhaft in einer Einrichtung funktioniert. Das schätzen auch viele Ratsuchende.

MK: Nach fast 20 Jahren als Leiter der »PIB« gehen Sie nun in den Ruhestand. Was wünschen Sie der Stelle?

Bögle: Es war für mich immer sehr befriedigend, dass ich an der christlichen Kernaufgabe der Nächstenliebe mitwirken konnte. Für Menschen in Not da zu sein, das wünsche ich der Stelle – gestützt durch die beiden großen Kirchen – auch für die Zukunft. Da haben alle etwas davon, auch die Kirche kann sich hier menschenfreundlich zeigen. Dazu gehört auch, dass die »PIB« im Jahr 2011 für über 800 Lehrkräfte Fortbildungen zur Prävention sexualisierter Gewalt durchgeführt hat.

MK: Und was wünschen Sie sich selber?

Bögle: Dass ich vom Machen zum Sein kommen kann. Aber da werde ich wohl noch länger üben müssen.

Interview: Johannes Schießl


Die »PIB« findet man in München gleich neben der Benediktiner-Abtei St. Bonifaz (Karlstraße 34), Telefon 089/55171340, im Internet: www.pib-muenchen.de

Der Psychologe Robert Bögle
(62) hat die Münchner pädagogisch-psychologische Informations- und Beratungs-stelle für Schüler, Eltern und Lehrer – kurz PIB – fast 20 Jahre lang geleitet.